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Kolumne KW 18 2018 „Marx wird 200“

Marx wird 200 

Inzwischen weiß jeder, dass Marx seine Haushälterin geschwängert hat, vor allem unverschämte Bettelbriefe verfasste und zur Strafe so eine Art Hämorrhoiden hatte. Der Marxismus hatte so ungefähr hundert Jahre gehalten und nicht wenige haben daran ihr Leben geknüpft, haben sich bis in den Tod dafür eingesetzt. Das alles soll jetzt eine lächerliche Attitüde, ein tragischer Irrtum gewesen sein.

Schließlich ist ja die Welt auch besser geworden. Hatten 1914 die oberen 10% noch 90% des Reichtums, sind das heute nur noch 60%, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass es sich um ganz andere absolute Zahlen handelt, dabei also die Reichen nicht unbedingt ärmer geworden sind. Das Novum ist eben eine Mittelschicht, die auch ihr Schärflein zur Stabilität des Ganzen beiträgt, und dazu zählen sicher auch die Journalisten, die jetzt diesen Nebelvorhang des vermeintlich Wissenswerten und völlig Unstrukturierten vor einfache Wahrheiten hängen. Dazu zählen selbst die Politiker, die sich doch heute ganz gute Einkünfte sichern und sicher auch die vielen, die den Staat am Laufen halten. Was soll dabei nur herauskommen?

Alle sind da so ziemlich ratlos, dabei brennt es ja auch nicht gerade unter den Nägeln, wie es ja nach den großen Kriegen war oder als einem als Linker oder gar Kommunist ernstzunehmen­de Strafen drohten.

Was einem da als erstes einfällt, ist eine moderate, eine quasi nicht wehtuende Umverteilung von bis zu 10% des Vermögens. Dass man dem nicht ausweichen kann, sollte es idealer Weise global geregelt werden, und wenn das nicht geht, so wenigstens europäisch. Aber ist denn nicht schon der Nationalstaat ein anonymes Monstrum? Man raubt uns mit einer Selbstverständlichkeit einen Gutteil unseres Einkommens, als wäre es um die Verwendung aufs Beste bestellt. Die Staatsausgeben sind ein pralles Füllhorn, an dem sich zunächst schon die bedienen, die dem Volk dienen sollten. Wieder kann man hier selbst die Journalisten nicht ausnehmen. Sollte man diese Anonymität noch verstärken und so eine fragwürdige Institution wie die EU oder gar die UNO damit beauftragen?

In dem ganzen Getöne geht eine wesentliche Idee des Kommunismus völlig unter, nämlich die vom Absterben des Staates, Sie wird Ihnen vielleicht sogar neu vorkommen, aber das ist nun mal erklärtes Ziel gewesen, bei allen Vorwürfen, die man der tatsächlichen Bürokratie machen konnte zu Sozialismuszeiten, die aber durch die heutige noch total in den Schatten gestellt wird. Auf der anderen Seite der utopischen Gesellschaft steht der selbstbestimmte und vernünftige Mensch, der schöpferisch etwas mit seiner überschüssigen Zeit anzufangen weiß, weil er nicht mehr am Fließband stehen muss.

Die Bedürfnisse dieses selbstbestimm­ten Menschen bestehen sicher nicht darin, noch komplizierte Steuererklä­rungen auszufüllen oder Rechtsstreite auszutragen, sondern er wird sich einerseits sehr auf sein unmittelbares Umfeld besinnen, seinen Sprachraum und damit wohl auch die Nation. Andererseits wird er problemlos und ebenso fair mit denen ihm seelenverwandt oder durch die Arbeit verbundenen Menschen aus der ganzen Welt in Verbindung stehen. Erstere Vision ist das Heimat- und Geschichtsbewusstsein, ja die ganze Kultur der unmittelbaren Umgebung und die zweite Vision wird durch die vielgescholtenen sozialen Medien wahr, dass man den Menschen, die einem nahe sind auf der Welt, schreiben kann, ihnen einen Eindruck vom Selbstgeschaffenen vermitteln kann und sie gegebenenfalls sogar besuchen kann.

Die heutige Technologie und Produktivität haben uns nahe an dieses Ideal gebracht, das mit Verlaub nur der Kommunismus kreierte, weshalb auch allfällige Berührungs­ängste eigentlich nur dazu führen, dass man vor einem großen Tor steht, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dieses Tor führt in ein Land mit abgestorbenen Staaten und Menschen, die sehr viel mit sich anzufangen wissen, ohne der materiellen Not ausgesetzt zu sein. Dieses Tor nicht zu sehen, kann dazu führen, dass das dahinterliegende Reich in ein Nichts zusammenfällt und all die Leiden sich wiederholen, die uns zu diesem Punkt geführt haben, oder vielleicht sogar das Ende der Menschheit da ist. Es gilt eigentlich, einen Traum so gut als möglich zu leben, ihn überhaupt erst mal zu wagen und diejenigen zu ehren, die ihn als erstes hatten, also auch die vielgescholtenen Klassiker.

Also herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Karl.

Christian Rempel in Zeuthen, den 30.4.2018

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