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Kolumne KW 16 / KW 17 2018 „Nikola Tesla“

Nikola Tesla 

Nicht nur wegen Ihnen, damit ich was zu sagen habe, unterzog ich mich der Lektüre von ganzen 678 Seiten der Tesla Biographie von Bernard Carlson. Wird doch da ein Mensch beschrieben, von dem heute noch geglaubt wird, er sei per Raumschiff von der Venus gekommen und dort geboren, mitsamt einer weißen Taube „Twin Ray“.

Ossis werden sich noch an die tschechischen Teslawerke erinnern, die zum Beispiel Tonbandgeräte produzierten. Die Maßeinheit für die Magnetfeldstärke wird in Tesla gemessen und kaum einer weiß, dass dieser Magier des elektrischen Zeitalters erst 1943 verstorben ist, als es allerdings schon viel ruhiger um ihn geworden war und er neben letzten Erfindungen sich mehr damit beschäftigte, in New York spazieren zu gehen und Tauben zu füttern.

Als junger Mann hatte er aber eine entscheidende Erfindung gemacht, und das war der Wechselstrommotor, der ja im Vergleich zum Gleichstrommotor ohne Schleifkon­takte, den sog. Kommutator, aus­kommt. Danach wandte er sich immer höheren Frequenzen und Spannungen zu, die 100 kHz und Millionen Volt erreichten. Er verfolgte dann die phantastische Idee, nennenswerte Strommengen durch die Erde zu jedem Punkt der Welt zu leiten. D.h. so phantastisch wollte das um die Jahrhundertwende zum 20. gar nicht scheinen, wo durch Wissenschaft und Technik fast alles möglich schien, sogar Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen, die man noch auf dem Mars vermutete. Man muss sich nur das Leben ohne Strom vorstellen, und alle Maschinen, die wir heute kennen, stürzten damals auf die Menschen als wahre Wunder ein. Tesla zeigte sogar Lampen, die völlig ohne Draht funktionierten – allerdings ein Zauber mit wenig praktischem Nutzen. Er verstieg sich dann in die Idee, dass man Strom d u r c h die Erde übertragen könne und baute recht gewaltige Apparaturen dazu. In der Anfangsphase wurde er da auch noch von der Finanzwelt unterstützt, aber als Marconi die erste Übertragung von Morsesignalen über den Atlantik gelungen war und nicht ihm, sank sein Stern recht rasch.

Immerhin ist Tesla, der sein ganzes Leben in den teuersten Hotels, wie dem Waldorf-Astor verbrachte und mehrere Labors betrieb, 86 Jahre alt geworden und ist noch heute ein Vorbild für Leute, die gern geniale Erfinder wären, wozu ich mich auch zähle, wenn mir Teslas Schicksal auch nicht gerade das Herz wärmt. Dazu war zu sehr auf Popularität bedacht, selbst wenn man ihm ein bescheidenes Auftreten allseits bescheinigte.

Fünfzehn Jahre seines Lebens hat der Autor Carlson Tesla gewidmet und kann trotzdem nicht zu der illustren Fangemeinde gezählt werden. Die Erinnerungskultur erfordert immer höheren Tribut, aber wird man je über Elon Musk, den Tesla Motors Chef, etwas Ähnliches zu lesen bekommen?

Christian Rempel in Zeuthen, den 28.4.2018

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