Wie Blei hat sich der Staub auf die gesammelten Werke von Gerhart Hauptmann gelegt, die, selbst Blei, in vier Systemen erschienen sind, angefangen vom Kaiserreich, dem dritten und dann in Ost und West. Wir hatten uns ja vorgenommen „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ zu le­sen, und es zeigte sich, dass dieser verfängliche Roman auch in der DDR erschienen ist und sogar in den rigiden Fünfzigern, wo man doch im Neuaufbau einer unreligiösen Gesellschaft begriffen war.
Hauptmann muss schon 1889 unter dem Eindruck des Besuches psychiatrischer Einrichtungen in Zürich einem Laienprediger begegnet sein, der die zum Pfingstfest am Züricher See Lustwan­deln­den zur Umkehr und zur Besinnung aufforderte. Pathologisches hatte es dem Dichter ja schon in seinen Dramen angetan und so lag es nahe, diesen Eindruck mit ins heimatliche Schle­sien zu neh­men und dort einen solchen Narren anzusiedeln, der sich eines Tages auf die Strümpfe macht, um zu predigen. Seltsamerweise ist er aber nicht darauf aus, Anhänger zu gewinnen, was allerdings nicht ausbleibt, sondern will nur ganz persönlich ein Beispiel geben, wie man Gott die­nen kann, wenn man sich nämlich totaler Selbstlosigkeit befleißigt. (weiterlesen …)

Auch dem Gedanken der deutsch-russischen Freundschaft verbunden ist man am MGH, da doch viele noch aus dem jetzt fernen weiten Land hergereist sind, das unter anderem den hervorragenden Schriftsteller Fjodor Dostojewski (1821-1881) hervorbrachte. Was in der Seele an Subtilem schlummert, er brachte es dramatisch zu Papier, auch wenn es sich man­chmal um scheinbar banale Geschichten handelt, wie sie jedermann passieren kön­nen, und er widmet sich meistens Außenseitern (Idiot, Spieler, Pfandleiher).

Was Ilja Pletner auf die Bühne brachte, die eigens im MGH improvisiert wurde, ist selbst­ge­­schrieben, selbstinszeniert, selbst ausgestattet und selbst brillant gespielt. Die Gewis­sens­nöte des Pfandleihers, der die Sanfte sein eigen nannte, werden auf, neben und unter einem Tisch ausgetragen, der sowohl den Ladentisch dieses dubiosen Geschäfts als auch einen Gute-Stuben-Tisch darzustellen vermag. (weiterlesen …)

»Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrigbleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es loszuwerden.« Goethe

Lest bloß keine Kommentare über Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W., sie sind alle gezinkt, ausufernd bis zur Besoffenheit und werden der Sache nicht gerecht. Es sind nur die Westaffen, die sich darauf stürzen und natürlich kein Wort davon verstehen, was sie mit Kom­mentaren zukleistern. Da ist Charlie, die Angebetete, überheblich und distanziert und hat sich na­tür­lich diesem Kerl Edgar Wibeau gar nicht hingegeben. Ihr Mann Dieter, ja, er sei ein Spießer, dabei ist er nur ein bisschen überhöht, wie alles in dieser erfrischend bündigen Arbeit. (weiterlesen …)

Nun ist es auch Zeit zu sehen, was so die Zeiten überdauert hat an Literatur, die nach dem Großen, den die Großnasen hier einfach den Mann nennen, überdauert hat. Dass Herbert Rosendörfer einer der brillantesten deutschsprachigen Autoren ist, möchte man nach den ersten Seiten seiner „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ sogleich unterschreiben. Es könnte auch heißen: aus der chinesischen (weiterlesen …)

Nikolausstiefel können so groß sein, dass auch ein Buch hineinpasst. In diesem Fall schenkte mir meine Frau Anna Parisis Buch: „Wandernde Sterne oder wie die Wissenschaft erfunden wurde.“ Die italienische Autorin hat der Wissenschaft selbst den Rücken gekehrt. Wenn man die Finanzsituation der italienischen Forschung ein bisschen kennt, verwundert das gar nicht. Sah ich doch, bevor ich selbst auch der Forschung abschwor, wie in einer italienischen Einrichtung Denkerstübchen an Denkerstübchen Leute an Computern saßen und wer weiß was machten, was hierzulande sicher nicht viel anders ist. Waren sie nun mehr einer Unterhaltung hingegeben oder war das ernsthafte Arbeit, diese Tatsache allein wäre schon ein Forschungsthema für sich.
Vielleicht ist es wirklich wichtiger, die Lust am Denken wieder zu vertiefen, als in solcherart Kombinaten zu dienen. Allerdings wird sich wohl kaum ein Kind der Zielgruppe hinsetzen und dieses Buch, in dem es von altertümlichen Gelehrten nur so wimmelt, studieren. Es bleibt wohl einer Pädagogik vorbehalten, denn so schwierig wie Gruppen auch sind, ist es trotzdem leichter dort Begeisterung zu wecken. (weiterlesen …)

In die Ferien bekam ich den Rat mit, mir mal einen Film anzusehen „In achtzig Tagen um die Welt“ von Jules Verne, denn wir hatten ja das Problem mit dem Datum behandelt, das sicher nur einer Minderheit klargeworden ist und mich selbst einen Tag lang beschäftigt hat, bis ich es überhaupt vermitteln konnte. Ich habe diesen Versuch seitens der Schüler, ein wenig über meine Freizeit zu verfügen, was doch der Physikunterricht ohnehin schon mit sich bringt, für mich so übersetzt, dass ich ja auch das Buch lesen könnte, was meinen Neigungen mehr entspricht, als sich anzu­se­hen, was andere als short message daraus gemacht haben.
Zwei Schüler hatten das Buch wohl auch gelesen, wobei der Eindruck trotz ihrer Jugend schon so verblasst war, dass man sich weder an Protagonisten noch an die Reiseroute recht erinnern konnte. Zwar haben wir uns dann auf die Richtung einigen können, in der man gereist sein müsste, wenn man nach der eigenen Zählung schon einen Tag weiter ist als das Ortsdatum, nämlich ostwärts, aber das war es dann auch. (weiterlesen …)