Der sechzigste Geburtstag meines zweitältesten Bruders war der Anlass, mal eine größere Reise zu unternehmen (600 km bis in den Odenwald). Noch bevor wir unser Quartier bezogen, schauten wir dort erst mal vorbei und hatten natürlich Gedichtliches im Gepäck. Es handelte sich um einen Vortrag, der auf die Tatsache Bezug nahm, dass dieses Jubiläum in einem Primzahljahr begangen wird und mein Bruder auch in einem solchen Jahr geboren ist. Von dem ganzen Rempelclan trifft es nur auf vier Personen zu, in einem Primzahljahr geboren zu sein, die mit einer Häufigkeit von ca. 11% auftreten. Außerdem waren wir natürlich ein Gedicht schuldig.
An diesem Abend wurde gegrillt und geschwatzt und irgendwann mussten wir dann auch in unser Quartier, das in Vielbrunn, direkt am Limes lag und uns mit einer wunderhübschen Einrichtung nebst umfangreicher Literatur über den Odenwald und geistliche Dinge empfing. Da hatten wir nun zwar die Uraufführung von einer Adaption auf Bolle verpasst, aber kamen rechtzeitig ins Bett. (weiterlesen …)
Resümee einer Bürgerversammlung in Waltersdorf am ehemaligen.Tg.d.dtsch. Einheit 2011 in der dortigen Wehrkirche
Sammelten wir nicht Geld und Steine,
damit uns ward ein Tor zur Welt?
Für den Rostocker Hafen, den ich meine,
doch damals ging`s nicht nur ums Geld.
Ein Hafen nun für Donnervögel,
ein jeder will dran Geld verdienen,
jongliert wird mit dem Schallschutzpegel,
Bewohner machen saure Mienen. (weiterlesen …)
Bürgerversammlung in Waltersdorf am 17. Juni 2011
Alles hat einen Namen, selbst eine Kurve. Um dieser Inflation keinen Vorschub zu leisten, sei nicht verraten, wie sie heißt. Ein Experte machte seinem Honorar wenig Ehre und hatte nicht mal einen Edding dabei, um die fraglichen Kurven mal einzuzeichnen. Geschweige denn, dass er wüsste, wo welche Straße in Waltersdorf liegt. Nun werden sie also hier rüberdonnern, Waltersdorf eine Heimstatt der Schwerhörigen werden und bei den Schallschutzmaßnahmen hat man skandalöser Weise erhebliches Einsparpotenzial entdeckt, so dass eigentlich noch gar nicht begonnen wurde. (weiterlesen …)
Nachdem die Füße ein wenig den Dienst versagt hatten und eine Ruhepause einzulegen war, durchschritt ich nunmehr Eichwalde, fand einige Briefkästen mehr, die keine Werbung wünschen und steckte wieder in jeden dritten Kasten einen Flyer. Wo man ins Gespräch kam, waren die Leute interessiert und heute kam sogar ein älterer Mann in der Schmöckwitzer Straße auf mich zu gelaufen, wobei er die Arme ausgebreitet hatte und etwas wankte. Er gab mir die Hand und es stellte sich heraus, dass er schon 94 ist, erzählte von seiner Tochter, die auch dichte und sich immer viel Mühe gebe mit Geburtstagsgeschenken, die sie mit Reimereien gestalte. Sein Schwiegersohn sei verstorben und seine Tochter, unter der man sich doch automatisch eine Frau in den besten Jahren vorstellt, ist auch schon 68. Er hatte ein Fuhrgeschäft und im Krieg war er Soldat in Afrika. Die Kriegszeugen sterben ja so langsam aus, aber ihnen ist auch eine Lebenskraft eigen, die in der Gefangenschaft gestärkt worden war. Ein Gedicht hat er nicht gekauft, aber der Gedichtladen auf Tour ist offenbar nicht ganz umsonst unterwegs. Das auch an Feiertagen, nachdem wir doch Pfingsten eine Hochzeit erlebten und eine Konfirmation mit einem vielgelobten Gedicht bedacht haben.
C.R. 13.6.2011
In der Zeit vom 1. bis 3. Juni hat der Gedichtladen die Gemeinde Schulzendorf durchwandert. Den meisten war noch nicht bekannt, dass es einen Gedichtladen in der Nähe gibt, wo man Auftragsgedichte anfertigen lassen kann, zu einem Preis, der nicht höher ist, als ein etwas besserer Blumenstrauß und um wieviel länger blüht doch so ein Gedicht, das man immer mal wieder zur Hand nehmen kann und sich daran freuen. Die Schulzendorfer haben ja ein neues Rathaus seit vergangenem Jahr und auch da hat der Gedichtladen die richtigen Worte gefunden, die dem Bauwerk ein zusätzliches Denkmal setzen. Jetzt sind viele besorgt wegen des Fluglärms. Vielleicht kann man auch diesen Sorgen eine Stimme geben, die in Reimen vielleicht ausgewogener klingt als nur “Fluglärm” und “Kerosinregen”.